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Aktion für behinderte Menschen Hessen e. V.

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Entstehung und Geschichte der Aktion für behinderte Menschen Hessen e.V.

Allgemeines

Die Aktion für behinderte Menschen Hessen e.V. in Mittel- und Nordhessen ist eine beispiellose nicht staatliche Organisation, die von Bürgern in Uniform und Zivil getragen wird. Sie wurde am 3. Oktober 1978 in Stadtallendorf als Vereinigung der Kuratorien Aktion für Behinderte gegründet. Seit dieser Zeit wird sie ehrenamtlich von einem gewählten Präsidium geführt und hat ihren Sitz in Korbach. Im Jahre 2003 wurde die Vereinigung in Aktion für behinderte Menschen Hessen e.V. umbenannt. Die AfbM Hessen e.V. verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke.

Wie alles begann

Zivilmilitärische Zusammenarbeit, ehrenamtliches soziales Engagement und die Erziehung zum Staatsbürger in Uniform sind seit Bestehen der Bundeswehr Aufgaben und Lebensinhalte der Soldaten, die bis zum heutigen Tag Bestand haben. So war es auch ein Soldat, der im Jahr 1970 den ersten "kleinen Schritt", auf dem Weg für eine heute noch immer einmalige Aktion machte.

Brigadegeneral Karl-Heinz Jörgens
Brigadegeneral Karl-Heinz Jörgens, Ehrenrpäsident der AfbM Hessen e. V.
Dr. Harald Renner, 1971 Kompaniechef im Sanitätsbaillon 2, Marburg
Dr. Harald Renner 1971, Chef der 2. Kompanie im Sanitätsbataillon 2 in Marburg

Es war Dr. Harald Renner, heute Oberstarzt a. D., ein Stabsarzt im Sanitätsbereich des Sanitätsbataillons 2 in Marburg. Er veranstaltete in seinem Verantwortungsbereich "Tage der offenen Tür". Zu den Gästen im Sanitätsbereich gehörten viele interessierte Schüler, Kindergartenkinder und auch Menschen mit Behinderung. Dr. Renner pflegte den Kontakt zu diesen Menschen. Bald entwickelt sich eine freundschaftliche Bindung zu dem Spastikerverein Marburg/Lahn. Ein Jahr später übernahm das Sanitätsbataillon 2 eine Patenschaft für diesen Verein.
In der Folgezeit sammelten Harald Renner und seine Soldaten, unter anderem während Großveranstaltungen, Geld für die Unterstützung des Spastikervereins. Auf diese Weise war es möglich, für die Menschen mit Behinderung die dringend notwendige Hilfe zu gewähren.
Als nächsten Schritt folgte die Gründung einer Initiativgruppe Marburg/Lahn. Dr. Harald Renner wurde Brigadearzt in der damaligen Panzerbrigade 6 - der heutigen Panzerbrigade 14 - Hessischer Löwe -. In Gesprächen mit dem damaligen Brigadekommandeur, dem heutigen Brigadegeneral a. D. Karl-Heinz Jörgens, berichtete er von seinen Erlebnissen mit Menschen mit Behinderung. Er regte an, das ehrenamtliche soziale Engagement der Soldaten, auch in der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Karl-Heinz Jörgens, heute Ehrenpräsident der AfBM Hessen e.V., griff die Ideen von Dr. Renner auf. Im Jahr 1974 fasste er den Entschluss, sich auch im Standort Neustadt-Stadtallendorf der behinderten Menschen anzunehmen.
Zwei Galaabende fanden in Stadtallendorf und Marburg statt und damit war das Startkapital gewonnen. Neu war auch die Art der Hilfen: Anschaffung eines VW - Busses und u. a. der Bau bzw. die Einrichtung eines Clubhauses.

Ausdehnung der Aktion in Nord und Mittelhessen

Am 18. Dezember 1974 gründeten Dr. Harald Renner und Karl-Heinz Jörgens den ersten Verein im Landkreis Marburg, heute Oberhessen. 1976 wurde eine Idee von Oberst Dietrich, damaliger Brigadekommandeur in Neustadt, umgesetzt und die Erholungshilfe für Behinderte und alte Menschen ins Leben gerufen. Die Initiativgruppe Marburg/Lahn gab in diesem Jahr einen kostenlosen "Führer für Behinderte und alte Menschen" mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren heraus. Der erste Führer dieser Art in Hessen und der erste in Deutschland für einen Landkreis.

Die Finanzierung erfolgte durch das Sozialministerium, den Landeswohlfahrtsverband, den Landkreis Marburg - Biedenkopf, die Stadt Marburg, die Kreissparkasse Marburg und den Verein Neustadt-Stadtallendorf.

"Flächenbrand des guten Willens" - Aktion für Behinderte in Hessen

Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts erfolgte die Ausdehnung nach Kassel sowie über den gesamten nord- und mittelhessischen Raum. Karl-Heinz Jörgens hatte es sich zum Ziel gesetzt, den "Flächenbrand des guten Willens" in ganz Hessen und möglichst auch über die Landesgrenzen hinaus, auszubreiten.

Noch im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Vereine, damals Kuratorien Aktion für Behinderte genannt:

  • in Stadt- und Landkreis Kassel (13.01.77)
  • im Schwalm-Eder-Kreis (01.07.77)
  • im Werra-Meißner-Kreis (30.06.77) und
  • in Gießen (12.12.77)

In Waldeck - Frankenberg erfolgte die Gründung am 29. Juli 1978, im Landkreis Hersfeld - Rotenburg am 14. März 1980. Am 13. März 1978 fand im Standortoffizierheim in Stadtallendorf eine Sitzung des Koordinierungsausschusses der Aktion für Behinderte statt. Die Anwesenden beschlossen die Gründung eines Dachverbandes, der den Informationsfluss steuert, ein Forum, das die Aktivitäten koordiniert. Am 04. Juli 1978 folgte in Stadtallendorf die Gründungsversammlung des Präsidiums "Aktion für Behinderte in Hessen".

Zum Präsidenten wählte die Versammlung Brigadegeneral Karl-Heinz Jörgens, der damals stellvertretender Kommandeur der 2. Panzergrenadierdivision in Kassel war.

Das Jahr 1986 war ein schweres Jahr für alle Vereine der Vereinigung

Das Verteidigungsministerium untersagte den Kommandeuren die Führungsverantwortung von Offizieren in den Kuratorien. Mit der Weisung sollten Interessenkonflikte von Vorgesetzten gegenüber den ihnen unterstellten Soldaten verhindert werden. Hinzu kam, dass die Bundeswehr mit dem Bundeswehr - Sozialwerk einen eigenen sozialen Verein für Soldaten gegründet hatte. Später wurde die Weisung konkretisiert und so werden heute wieder alle sieben Vereine von aktiven oder ehemaligen Soldaten geführt. Es war ein Zeichen großer Geschlossenheit und Solidarität, dass vor allem Unteroffiziere sowie Mitglieder aus dem zivilen Bereich einsprangen und die Arbeit fortführten.
1996 übernahm Oberst a. D. Jürgen Damm aus Bad Arolsen die Präsidentschaft.